start projects about index
Membrane Wall (detail) Bar with projection on Bar with projection off Room Jockey using a GrandMA to control visuals Media Selector and Animation Controller Digital Masking of Front Portions of Membrane Wall Digital Masking of Cocoon Portions of Membrane Wall Digital Masking of Cocoon Portions of Membrane Wall Development with VVVV Room Jockey Interfaces: Media Selector, Animation Controller, Infrared Touchframes Room Jockey Interfaces: Drum Pads for Rhythmic Effects LED Matrix installation by Andreas Karlen/3deluxe Manual Drawing of Cocoon Maps and Garbage Maps Programming of Membrane Wall Maps Control Rooms with 23 VVVV Renderclients Custom 19"-Racks made out of African Zebrawood
Cocoon Club realtime 360° visuals
 
MESO Digital Interiors GmbH
Niddastr. 84
60329 Frankfurt am Main
++49 69 2 40 00 30
ow@meso.net
  • Project: Cocoon Club realtime 360° visuals
  • Date: July 2003
  • Client: Cocoon Club GmbH
  • Contractor: 3deluxe, System Modern GmbH
  • Location: Frankfurt am Main
  • Tasks: Media Systems Design, Interface Design, Motion Design, Realization

In einer über zweijährigen Planungs- und Bauphase entwickelte die Wiesbadener Agentur 3deluxe auf rund 2700 qm für den Cocoon Club des DJs Sven Väth ein übergreifendes Gestaltungskonzept, das architektonische, mediale und grafische Elemente symbiotisch miteinander verbindet.

MESO Digital Interiors entwickelte für 3deluxe das Medienkonzept für die zahlreichen digitalen Bespielungen. Ergebnis der Bemühungen ist die außergewöhnliche Korrespondenz von Musik- und Designphilosophie, die den neuen CocoonClub einzigartig macht.

cocoon

Cocoon Club Micro Players

Digital Lighting Fixtures for the Micro Restaurant in the Cocoon Club

Cocoon Club Personal Room Control

Cocoon Club Personal Room Control Devices

VIP Cocoon

Licht & Projektion

Das von 3deluxe in Zusammenarbeit mit Andreas Karlen entwickelte Lichtkonzept setzt neben einer Vielzahl hochwertiger Moving-Lights auf eine Rundum-Projektion, welche die gesamte umlaufende „Membranwand“ nahtlos mit in Echtzeit generierten Animationen abdeckt, so dass sich die gesamte Wand synchron zur Musik vollständig verändern kann. Zur Projektion werden 23 Videobeamer genutzt. Die Ausspielung der in Echtzeit berechneten Videoanimationen erfolgt über ein Computer-Cluster, das für jeden Beamer einen individuellen 19“-Renderclient mit leistungsstarker Radeon-Grafikkarte bereithält; die Ausgangssignale werden mit RGB-Lineboostern für die langen Kabelwege der Installation aufbereitet. Ein- und ausgeschaltet werden die Beamer über Portserver von Moxa, welche das entsprechende Netzwerksignal in serielle Steuerinformationen wandeln und in unmittelbarer Nähe der Projektoren angebracht sind. Auf allen Renderclients des Videonetzwerks läuft die im Frankfurter Medienlabors Meso entwickelte Software VVVV. Gesteuert wird das Netzwerk über einen zentralen Server, auf den man im CocoonClub über vier Bedienrechner zugreifen kann. Diese Bedienrechner sind mit Touchscreens ausgestattet, deren übersichtliche Oberflächen den Zugang zu den einzelnen Parametern vereinfachen.

Bei VVVV handelt es sich um eine grafische Programmiersprache, die statt der üblichen Texteingabe auf der Verknüpfung grafischer Elemente beruht – vergleichbar mit der Verbindung einzelner Baugruppen bei einem modular zusammengesetzten Synthesizer. Die Programmierung erfolgt in Echtzeit bei laufendem Programm, so dass jede Änderung unmittelbar Auswirkung zeigt, was eine steile Lernkurve begünstigt, und speziell bei interaktiven Installationen von unschätzbarem Wert ist.

Die Software wird mit einer umfassenden Objekt-Library geliefert, welche speziell auf die Erstellung hochwertiger 3D-Animationen zugeschnitten ist und sämtliche Features moderner 3D-Grafikkarten berücksichtigt. Speziell für die Anwendung im Cocoon-Club wurden Funktionen zum Arbeiten mit Direct-X Vertex und-Pixelshadern hinzugefügt, wobei der Anwender direkt in den Sourcecode der Pixelshader eingreifen kann – diese Gestaltungsmöglicheiten waren unabdingbar, um die hochen ästhetischen Anforderungen von 3deluxe umzusetzen.

„MESO versucht als Unternehmen seit jeher den Spagat zwischen künstlerischen und angewandten Projekten“, erläutert Sebastian Oschatz, MESO-Mitbegründer und treibende Kraft hinter VVVV, die Beweggründe zur Entwicklung der Programmiersprache. „Lange Zeit war VVVV ein Werkzeug, mit dem wir ausschließlich unsere eigenen Projekte abgewickelt haben. Seit etwa zwei Jahren können auch andere Interessierte das Tool nutzen, und der Input dieser neuen Anwender fließt neben unseren eigenen Zielsetzungen in die Weiterentwicklung der Software mit ein!“
Die VVVV-Software läuft in den meisten Installationen auf Industrie-PCs (Windows 2000 oder XP) mit besonders hochwertiger Grafikkarte; Macintosh-Rechner werden nicht unterstützt. Außer im angestammten Event-Segment wurden auch Projekte im Broadcast-Bereich erfolgreich realisiert; so hat die VVVV-Software u. a. bereits für die wissenschaftliche Sendung Q21 des WDR das virtuelle Bühnenbild geliefert. „Durch das besonders hochwertige Video-Ausgangssignal sind sämtliche Anwendungen bei denen Echtzeitgenerierung wichtig ist, denkbar“, deutet Sebastian Oschatz mögliche Entwicklungen für die Zukunft an.

3D-Animation & Steuerung

Im CocoonClub definiert die VVVV-Software eine Reihe von virtuellen Fixtures, welche es erlauben, die Gesamtstimmung auf den 23 Projektoren in Echtzeit über ein „grandMA“-Lichtpult von MA Lighting zu beeinflussen – das Video-Rendering ist an der grandMA quasi wie eine Anzahl sehr umfangreich parametrisierter Moving-Light angelegt; Klassisches Licht und Computeranimation lassen sich perfekt synchronisieren. Zur Kommunikation zwischen Lichtpult und VVVV-Software wird das offene UDP-basierte ArtNet-Protokoll (www.artisticlicence.com) eingesetzt – der RoomJockey kann somit über das Lichtpult sowohl in das Show-Licht als auch in die von der VVVV-Software generierten Anweisungen für die Renderclients eingreifen.

Zur Ergänzug der grandMA wurden mehrere Zusatzmodule auf Touchscreens programmiert, die es erlauben, in alle Parameter übersichtlich einzugreifen: Das Sequencer-Modul erlaubt es alle Parameter aus dem Pult einzeln zu überschreiben. Zur Musik passende Animationen können über einen Touchscreen live eingespielt werden, und synchronisieren sich sofort zur laufenden Musik. Das speziell entwickelte Selector-Interface auf einem weiteren Touchscreen dient zur Auswahl der von 3deluxe gelieferten Texturen, 3d-Modellen und Videos.

Die Bilder im Club werden nach unterschiedlichen Prinzipien generiert; Meist dient als Grundlage ein zweidimensionales Bild (Standbild, Digitalvideo, Livevideo, DVD), das in komplexer Form verzerrt wird, und schließlich perspektivisch korrekt auf die 23 Beamer verteilt wird und die umlaufende Membranwand nahtlos abdeckt. Hierfür könnten in VVVV virtuelle Kameras angelegt werden – die physikalische Positionierung der Projektoren muss dazu natürlich exakt mit den Positionen der virtuellen Kameras in der computergenerierten 3D-Welt übereinstimmen. Den Realitäten des Clubs entsprechend mussten für eine perfekte Projektion diverse Masken (Bitmaps) erstellt werden, damit z. B. Böden, Teile der Lautsprecherboxen oder die Geländer nicht von den Beamern angestrahlt werden und dadurch bei aufmerksamen Betrachtern eventuell den Eindruck der „leuchtenden Wand“ untergraben. Die Masken wurden mit Hilfe eines Grafikprogramms direkt im Club gezeichnet, um kleinere, durch Baumaßnahmen bedingte Abweichungen gegenüber des als Vorlage dienenden 3D-Modells von 3deluxe auszugleichen – die Bitmap zum Verdecken störender Elemente hört dem Vernehmen nach auf die bildhafte Bezeichnung „Garbage Map“.

Weitere Masken wurden für die Glasscheiben sowie die umgebenden Ränder der Cocoons angelegt, so dass sich diese auf Wunsch unabhängig voneinander bespielen lassen und damit wahlweise hervorgehoben werden oder optisch kaum in Erscheinung treten.

Auch für die Membranwand wurden Masken erstellt – was sich beim Blick auf die unzähligen Öffnungen der 100 Meter langen Wand im ersten Augenblick nach langwieriger Fleißarbeit anhört, war in der Praxis laut Sebastian Oschatz relativ schnell zu bewältigen: Die Membranwand setzt aus gleichförmigen aus Beton gegossenen Elementen („Kacheln“) zusammen, die nach einem simplen Prinzip zusammengefügt sind und so ein komplexes Muster ergeben; für die Maskierung musste daher lediglich ein Element vollständig erfasst werden, das Prinzip, nachdem die Kacheln angeordnet wurde, konnte in VVVV sehr einfach nachprogrammiert werden. Somit konnte sogar die mühevolle copy/paste-Arbeit eingespart werden. In der aktuellen Version kann im CocoonClub wahlweise in die Löcher, auf die umgebenden Schrägen oder nur auf die vorderen Flächen der Membranwand projiziert werden, woraus sich eine überraschende und sehr variable Tiefenwirkung ergibt. Die vielfach maskierten Bereiche können dank der VVVV-Pixelshader-Programmierung in Kontrast, Farbton und Helligkeit völlig frei verrändert werden. Darüber hinaus lässt sich mit einem speziellen 3D-Modell ein „Chrome“-Effekt erzielen, welcher den Eindruck hervorruft, dass die Membranwand aus einem reflektierenden metallischen Material besteht.
Weitere Prinzipien für die Echtzeitgenerierung beruhen auf texturierten dreidimensionalen Objekten, die im Raum bewegt und gedreht werden, und als Grundlage für ein Reflection-Mapping genutzt werden, sowie parametrischen Animationen mittels B-Spline-Kurven und Textobjekten.

Wie aus der kurzen Schilderung der Möglichkeiten bereits offensichtlich wird, sind die Beleuchtungsmöglichkeiten im Dancefloor-Bereich des CocoonClub schlichtweg überwältigend. „Herrscher“ über das System ist ein fest angestellter RoomJockey, der bereits seit vielen Jahren mit Sven Väth zusammmenarbeitet und in der Szene unter seinem Rufnamen „Easy“ bekannt ist. „Easy“ versteht sich als Künstler, der mit Licht und Projektion wie auf einem Instrument spielen möchte und sich dementsprechend nicht mit der nüchternen Bedienoberfläche eines Lichtpultes oder einer Mouse/Bildschirm-Kombination zufrieden gibt. Stattdessen lassen sich Teile der Lichtsteuerung in eine Gesamtperformance einbinden, bei der sich „Easy“ tänzelnd an diversen Interfaces verausgabt: Zur Disposition stehen Sensorpads, zwei Drumpads von Roland, die um Fußpedale ergänzt werden und MIDI-Signale an die VVVV-Software liefern. Noch ungewöhnlicher ist eine „Glasharfe“, die sich aus zwei robusten „CarrollTouch“-Panels aus dem Hause Elo Touchsystems zusammensetzt und beidhändig bespielbar ist; bis zu vier Parameter können hier gleichzeitig manipuliert, bei Bedarf als mehrtaktiger Loop im Sequencer aufgezeichnet und sofort musiksynchron wiedergegeben werden. Jedes „CarrollTouch“-Panel arbeitet mit einer X/Y-Matrix aus 36×48 Lichtschranken, deren Informationen zur Steuerung der Animation ausgewertet werden.
Zusammenfassend präsentieren sich Licht und Projektion im Dancefloor-Bereich des CocoonClub als komplexe und ihresgleichen suchende Installation, deren ausufernde Möglichkeiten sicher erst im laufenden Betrieb in ihrer möglichen Tiefe ausgelotet werden können – man darf gespannt sein, was der RoomJockey aus dem bereits jetzt schon beeindruckenden Setup in den nächsten Jahren noch alles hervorzaubern kann, wenn ihm das System erst einmal in sämtlichen Aspekten in Fleisch und Blut übergegangen ist!

LED-Matrix & Kaltkathodenröhren

Für interessierte Blicke sorgt im CocoonClub immer wieder eine von Andreas Karlen entworfene kubische LED-Matrix, die sich aus 144 senkrecht von der Decke herabhängenden Platinensträngen zusammensetzt. Jeder der 12×12 Platinenstränge ist mit acht LEDs versehen, woraus sich eine Gesamtzahl von 1.152 Leuchtdioden ergibt. Jede LED der Matrix ist einzeln schalt- und dimmbar; das Objekt wird über drei DMX-Universen von einem Rechner via ArtNet-Protokoll angesteuert. Der Rechner seinerseits ist mit der grandMA verbunden, an welcher der RoomJockey als einfachste Bedienmöglichkeit diverse Presets (Bilder) abrufen kann. Darüber hinaus stehen neun „Top Level“-Parameter, die einen direkten Zugriff auf die wichtigsten Funktionen erlauben, zur Verfügung.

Programmiert wurden die Einstellungen mit der VVVV-Software von Meso: „Ohne dieses System könnte ich mir die Programmierung so einer dreidimensionalen Matrix kaum vorstellen“, kommentiert Andreas Karlen im Gespräch und lobt die Möglichkeiten der Software, mit der er vor einigen Jahren im Rahmen eines anderen Projektes erstmals in Kontakt gekommen ist und in die er sich mittlerweile umfassend eingearbeitet hat.

Auf das Konto von Karlen gehen im CocoonClub auch zahlreiche Lichtkunstobjekte, die über die gesamte Location verteilt sind. Besonders spektakulär ist eine Installation im Lounge-Bereich des InBetween, bei welcher große freistehende Glasvitrinen für stimmungsvolles Licht sorgen. Im Inneren der kunstvoll verzierten Vitrinen befinden sich via DMX einzeln ansteuerbare Kaltkathodenröhren; Variationen der angelegten Spannung sorgen hier für durch die Röhren laufende „Lichtbalken“, welche entfernt an eine bewegte Pegelanzeige und tanzende Figuren erinnern.

The meso team: Sebastian Oschatz, Max Wolf, Joreg Diessl, Eno Henze, Sebastian Gregor, Sven Bauer, Michael Mehling, Florian Egermann and many more.

 
MESO / Digital Interiors / Web Scapes / Image Spaces | Impressum | Copyright © 2007 by MESO Digital Interiors GmbH