Deutschland will sich 2006 der Welt in Verbindung mit dem Fußball als eine Kunst- und Kulturnation präsentieren. Um die Vorfreude darauf zu wecken, gibt es – initiiert von Bundeskanzler Gerhard Schröder – ein besonderes Kunst- und Kulturprogramm (Auftakt mit Globus-Tour). Der künstlerische Kurator ist André Heller. Für dieses gesamte Programm werden bis 2006 insgesamt bis zu 30 Millionen Euro aus dem Erlös von Silbermünzen bereitgestellt. Am 12. September 2003 haben Bundeskanzler Schröder, Franz Beckenbauer und FIFA Präsident Blatter in Berlin der Fußball-Globus eröffnet, der bis zum Beginn der WM durch alle Spielstädte touren und dann wieder nach Berlin kommen wird.
Der Fußball-Globus ist das Herzstück des Kunst- und Kulturprogramms. Allein in Berlin haben in 52 Tagen 111.000 Menschen den Globus besucht, durchschnittlich somit rund 2.000 pro Tag. Darüber hinaus wird der Fussball-Globus in den kommenden Monaten in Köln (9. März bis 16. Mai), Leipzig (15. Juni bis 1. August), Hamburg (31. August bis 7. November) und Gelsenkirchen (ab 7. Dezember) zu sehen sein.
Die Medientechnik im Fussball-Globus FIFA WM 06
Der Generalunternehmer System Modern GmbH beauftragte das Frankfurter Designbüro MESO Digital Interiors mit der Realisation der Mediensysteme im Inneren des Fussball-Globus. Ausgehend von Entwürfen der Szenografen von 3deluxe, Wiesbaden, die wiederum auf Konzeptideen von André Heller/Artevent basierten, wurden dann gemeinsam Animationen und Interaktionen entwickelt.
MESO zeichnete hinaus verantwortlich für die Planung der Computertechnik, den Setup und die Bereitstellung der Systeme und die Programmierung aller erforderlichen Subsysteme für die Realisierung der hochkomplexen Grafik-Entwürfe.
Softwaretechnik
Alle animierten Grafiken und Videozuspielungen werden komplett von dem Software-Toolkit VVVV in Echtzeit generiert. Die Stärken der Software liegen im synchronisierten Zusammenspiel von Computer-clustern (“Boygrouping”). Die Software ist speziell ausgelegt für die Anbindung einer vielzahl von verschiedensten physikalischen Interfaces (Licht- und Näherungssensoren, Touchscreens, Trackballs, IO-Interfaces, Funkfernsteuerungen, RS232, Midi, TCP/IP, etc.). Ein weiterer Vorteil – ohne den dieses Projekt undenkbar gewesen wäre – ist die schnelle und interaktive Umsetzung von Ideen mittels einer graphischen Programmiertechnik. Alle Änderungen an diesem graphischen Programm werden sofort sichtbar, es sind keine Wartezeiten fürf Compilieren, Rendern etc. einzuplanen.
Das Projektionsfries
Der Innenraum wird definiert durch ein brilliantes Rundum-Projektionsfries aus 10 Projektionen mit je 3.000 ANSI-Lumen, erzeugt von Projectiondesign F1-XGA Beamern. Insgesamt hat das Panorama bei einem Durchmesser von rund 12m eine Auflösung von 10.240×768 Pixeln.
Die Rundum-Projektion besteht aus einer Vielzahl von Ebenen aus verschiedenen 3D- und 2D-Objekten. Alle Objekte werden von einem Rendercontroller in einem echten 3D-Koordinatenraum erzeugt und von 10 so genannten Renderclients aus den entsprechenden Perspektiven in hoher Bildqualität visualisiert. Auch die Berechnung der Soft-Edges auf der geneigten Fläche wird direkt von den Renderclients durchgeführt.
Auf den miteinander verwobenen Kompositionsebenen befinden sich:
Das Projektionsfries wird berechnet von 14 Industrie-PCs (Pentium IV, 2,8GHz) und high-End Gaming-Grafikkarten (Radeon 9800 pro). Weitere 14 Industrie-PCs erzeugen die zusätzlichen Bildflächen in den Terminals und anderen Exponaten. Alle Systeme laufen unter Windows 2000 Professional.
Um mit den knappen Platzverhältnissen im Technikraum zurecht zu kommen, sind alle Industrie-PCs als besonders flache 19”- Geräte mit je 1 bzw. 2 Höheneinheiten ausgeführt. Die gesamte PC-Technik belegt dadurch komplett mit Strom- und Signalverteilung, USV und Monitoren nur vier 19”- Schränke, also nicht mehr als 1,5 qm Fläche im Technikcontainer.
Zusammengenommen bringt es diese “Render Farm” auf stattliche 500.000 Megahertz Prozessorleistung und rund 1 Terabyte Festplattenspeicher.
Zusätzliche Attraktionen
Backoffice
Zahlreiche Features von VVVV sorgen auch für die Verwaltung und Fehlervermeidung im Fußball-Globus:
Zehn Erlebnisstationen auf der oberen Etage des Fußball-Globus geben reichlich Informationen zum Thema:
1. “Fußball-meine Liebe” soll die Liebe des Spielers zum Fußballsport zum Ausdruck bringen. Was bedeutet Fußball für den Spieler? Welche Emotionen werden erweckt? Nach Eingabe dieser Aussagen erscheinen sie direkt an der Projektionsleinwand und beeinflussen die Stimmung im Globus. Man kann Mitglied einer riesigen Fangemeinde werden oder ein virtuelles Rasenstück pflanzen.
2. “Hüter des silbernen Tores” ist das Spiel mit Torhüter Kurt Hurtig, der selbst die erfolgreichsten Torjäger zur Verzweiflung bringt.
3. “Stars zum Anfassen” sind Cannics, Carlos und Henk vom “FC Mondo United”, die aber erschöpft sind und durch eine Massage wieder leistungsfähig gemacht werden sollen. Der Spieler muss mit virtuellen Massagen versuchen, die Kicker wieder in einen Top-Zustand zu versetzen.
4. “Schiri” bedeutet Fußballkompetenz testen. Der Besucher wird animiert, in die oftmals schwierige Rolle des Schiedsrichters zu schlüpfen und das Regelwissen bei strittigen Spielszenen unter Beweis stellen.
5. “Kuriose Fußballmomente” heißt die Zusammenstellung von amüsanten Spielsituationen früherer WM-Begegnungen. Hier wird der Fußballsport von seiner humorvollen Seite gezeigt: Hitzige Diskussionen, verzweifelte Torversuche, spektakuläre Fouls und absurde Kurzschlussreaktionen sorgen für eine Menge unfreiwilliger Komik.
6. “Kulturblatt” liefert die neuesten Meldungen aus der Fußballkultur. Die Schlagzeilen auf der Projektionsleinwand liefern dem Besucher interessante Informationen über das Kulturprogramm der WM 2006. An drei Plätzen der Sitztribüne im Globus wird die virtuelle Zeitung des Fußball Globus an die Wand projiziert, sie enthält neben weiter führenden Informationen auch die Vorschau auf die täglich wechselnden Veranstaltungen im Globus.
7. “Fankultur” bedeutet leiden und feiern mit der Nationalmannschaft. Wer zeigt als Fan die größten Emotionen? Wer trägt die ausgefallensten Maskeraden bei der WM? Die Fans soll sich ansprechen lassen von dem Enthusiasmus, mit dem sie ihre Mannschaft zu den internationalen Spielorten begleiten können.
8 “Fußball Wette” geht um das Fußballwissen des Besuchers. Allein oder mit einem Mitspieler kann man auf das Ergebnis eines früheren WM Spieles tippen.
9. “Stadion Check” informiert über Architektur und technischen Besonderheiten der Sportstätten. Anzahl der Zuschauer und andere interessante Fakten werden auch angezeigt.
10. “WM Qualifikation” befasst sich mit den Informationen ab dem Zeitpunkt der Vorrundenauslosung im Dezember 2003. Der Besucher erhält Auskunft über die Spielpaarungen und Ergebnisse der Vorrunde. Und er bekommt Wissenswertes über die teilnehmenden Länder.