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was/wer ist
involving systems?
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zunächst sind involving systems karl kliem, martin bott und ich. einfach
gesagt: eine band, die musikinstallationen herstellt und zur verfügung
stellt; ein freies projekt. seit 1995 haben wir sporadisch in galerien,
clubs, ladengeschäften, symposien, musikfestivals temporär systeme
installiert, mit denen besucher (meistens) gemeinsam musik machen können.
schwerpunkt ist dabei, auf klassische instrumentenmetaphern zu verzichten
und abstrahiertere interaktionsformen einzusetzen.
martin hat ein grafikbüro in mainz, karl und ich haben zusammen mit
drei anderen 1997 in frankfurt das medienlabor meso gegründet.
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wie ist inv sys entstanden? |

aus einer verkettung von gelegenheiten, wie ja so oft. der erste dj-set
zu dritt, mit drei plattenspielern, drei effektgeräten und drei nebelmaschinen
war sicherlich spektakulär, aber vom klangbild her katastrophal.
der auftritt führte letztlich allerdings zu der idee, ein system
zu bauen, bei dem jede interaktion musikalisch sinnvolle resultate liefert.
gleichzeitig schien es plausibel, dieses auch gleich durch das publikum
bedienen zu lassen, um nicht den ganzen abend selbst hinter dem system
zu stehen. nachdem dies dann bei verschiedenen aufbauten relativ gut funktioniert
hat, haben wir eine ganze reihe von weitere updates entwickelt, um die
linie zwischen anything-goes und musikinstrument weiter auszukundschaften.
es ist bis heute konzept, daß wir die systeme nicht selbst bedienen.
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hatte deine mitarbeit bei oval
einfluss auf deine jetzige arbeit
bei inv sys
(und zwar...)? |

sicher. mein interesse an den produktionsbedingungen elektronischer musik
war in beiden projekten ähnlich. das bei oval entwickelte verständnis
von sound und soundmanipulation war essentiell für die weiteren arbeiten.
die damaligen gemeinsamen projekte wie ovalproduct oder die ovalprocess-
software kann man sicher auch als direkte vorläufer der arbeiten
von involving systems sehen.
an dieser wäre noch erstaunt festzustellen, daß ovalprocess
tatsächlich nach jahrelangem hinhalten und verfeinern der marketingstrategie
jetzt als "skotodesk" doch noch seinen weg in die musikpresse gefunden
hat. eigentlich ist das konzept ja schon fünf jahre alt, und schien
schon damals hart an der grenze von dem zu sein, was man als innovativ
bezeichnen wollte. sicherlich ist an den samples noch viel gefeilt worden.
der "theorie"-part von oval war letztendlich immer ein fein ausbalanciertes
spiel (und wir haben viel gelacht), das durch stetiges operieren am obersten
verständnisniveau letztlich jede leseweise (oder keine) ermöglichte,
was sich auch an den immer etwas ratlosen artikeln in der presse ablesen
läst, die meist nur seitenlange zitate aus den presseinfos liefern.
selbstverständlich waren die buzzwords und theorieansätze bei
uns immer in der diskussion, hatten aber letzlich mit den tatsächlichen
produktionsbedingungen und musikalischen resultaten nicht wirklich viel
zu tun. letzlich kann man nicht im medium musik gegen das medium musik
arbeiten. rückblickend stellt sich die theorieebene für mich
als ein legitimer jungs- und szenespaß dar, der zwar unter marketinggesichtspunkten
okay als alleinstellungsmerkmal funktioniert hat, aber konsequent in eine
marginalität geführt hat, die mich nicht interessierte.
bei involving systems war im gegensatz dazu von beginn darauf angelegt,
mit populärmusikalischem elementen zu arbeiten, um real existierende
musikstile zur disposition zu stellen. letztlich natürlich auch,
um sich vom klangtüftlertum zu distanzieren und die interaktionsstrukturen
überhaupt erst darstellbar zu machen. der rekurs auf gesellschaftlich
relevante musikstile lockte ein wesentlich offeneres (weil nicht nur auf
musik fixiertes) an. oval war sicherlich wie geschaffen für den damals
geprägten begriff des diskurspops; theorie als pop, pop als theorie,
usw.
involving systems im vergleich war befreiender praxis-punk: die theoretischen
implikationen von denen immer nur geredet wurde als knöpfe und regler
den leuten hinzustellen und gleichzeitig spaß an lauter musik zu
ermöglichen. der ansatz, unvorbereitete besucher mit komplexität
zu konfrontieren, durch die sie sich lustvoll hindurchfinden (ohne dabei
in die irrelevanz eines spiels ohne bezug zur aussenwelt abzugleiten).
letztlich also ein bewußtes experiment nach den erfahrungen mit
oval.
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